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Gemeinsam sichtbar - Recovery Walk 2026 in Düsseldorf
von Hanna Pfitzinger
Am 12. September 2026 machten wir - Friedrich und Hanna aus der Kreuzbund-Gruppe Nürnberg
1 - uns auf zum zweiten deutschen Recovery Walk in Düsseldorf. Unter dem Motto „Sucht Genesung - Leben“ kamen dort rund 600 Menschen mit eigener Suchterfahrung, Angehörige, Fachkräfte und Unterstützende zusammen, um gemeinsam ein Zeichen für Genesung und gegen die Stigmatisierung von Suchterkrankungen zu setzen.
Nach der Eröffnung und einer bewegenden Gedenkzeremonie für die Menschen, die ihr Leben durch Sucht verloren haben, setzte sich am Nachmittag der eigentliche Recovery Walk in Bewegung. Gemeinsam ging es mehrere Kilometer durch Düsseldorf und am Rhein entlang - mit Musik, Schildern, vielen Gesprächen und vor allem einer Menge sichtbarer Lebensfreude.
Besonders präsent war dabei auch der Kreuzbund: Der Kreuzbund Düsseldorf hatte kleine Kreuzbund-Fähnchen vorbereitet, die vor dem Start verteilt wurden. Viele Teilnehmende, die kein eigenes Schild oder Banner dabeihatten, nahmen sich spontan eine dieser Fahnen mit. So waren im gesamten Zug erstaunlich viele Kreuzbund-Fahnen zu sehen - und zwar längst nicht nur in den Händen von Menschen, die selbst eine Kreuzbund-Gruppe besuchen. Ein schönes Zeichen dafür, dass die gemeinsame Botschaft an diesem Tag wichtiger war als die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Organisation.
Anschließend ging es zurück ins Recovery Village auf der Wiese an der Reuterkaserne. Dort waren zahlreiche Selbsthilfegruppen, Suchthilfeeinrichtungen und weitere Organisationen vertreten, unter anderem der Kreuzbund, die Caritas und die AOK. Am Kreuzbund-Stand kamen wir mit Mitgliedern aus anderen Regionen ins Gespräch und trafen unter anderem Daniela Ruf aus der Bundesgeschäftsstelle.
Auf der Wiese gab es aber noch deutlich mehr als Informationsstände: Eine Hüpfburg und verschiedene sportliche Spiele sorgten für Bewegung, an Kreativständen konnten beispielsweise kleine Armbändchen geknüpft werden und natürlich war auch für Essen und alkoholfreie Getränke gesorgt. Für das gesamte Gelände galt dabei konsequent: Teilnahme nur sober - Alkohol und andere Drogen hatten hier keinen Platz.
Besonders schön war die entspannte und offene Stimmung. Man kam schnell mit anderen
Menschen ins Gespräch, unabhängig davon, welchen persönlichen Weg sie hinter sich hatten oder aus welcher Organisation sie kamen. Und zum Abschluss wurde es noch einmal richtig laut: Ein DJ sorgte mit Techno für Stimmung. Gerade bei den Jüngeren kam das ziemlich gut an und so wurde vor der Bühne noch ordentlich getanzt.
Spannend waren für uns auch die vielen Begegnungen und Ideen, die wir aus Düsseldorf mit nach Hause genommen haben. Unter anderem lernten wir Menschen aus Hamburg kennen, die sogenannte „Sober Raves“ veranstalten - also Partys, bei denen ganz selbstverständlich ohne Alkohol und andere Drogen gefeiert wird. Eine Idee, die wir uns durchaus auch für Nürnberg vorstellen könnten.
Auch mit Daniela Ruf entstand ein Gespräch darüber, ob eine Aktion nach dem Vorbild des
Recovery Walks nicht irgendwann in Nürnberg stattfinden könnte. Dafür müsste es nicht zwingend ein offizieller Recovery Walk von Recovery Deutschland sein. Denkbar wäre beispielsweise auch ein eigener kleiner Marsch oder eine öffentliche Aktion durch die Nürnberger Innenstadt, um auf Suchterkrankungen und vor allem auf die Möglichkeit von Genesung aufmerksam zu machen. Eine Idee, die bei uns auf jeden Fall hängen geblieben ist und die wir gerne weiterverfolgen möchten.
Für uns war der Recovery Walk eine besondere Erfahrung. Hunderte Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten und Lebenswegen kamen zusammen, ohne dass sich alles nur um die Vergangenheit oder die Sucht drehte. Im Mittelpunkt stand vielmehr das, was danach kommt: Gemeinschaft, Lebensfreude und die Erfahrung, dass ein Leben ohne Sucht nicht nur möglich ist, sondern verdammt viel zu bieten hat.
Genesung darf sichtbar sein - und sie darf auch gefeiert werden.


