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Seminar in Bamberg
NEIN!
Vom 25.04.-27.04.2025. trafen sich 17 Weggefährtinnen und Weggefährten zusammen mit unserem Referenten Stephan Remdt im Bistumshaus St. Otto in Bamberg zum Seminar
"NEIN" ein kleines Wort mit großer Bedeutung
Die Rahmenbedingungen waren, wie für die meisten schon gewohnt, optimal.
St. Otto kulinarisch und betreuungsmäßig immer wieder überzeugend.
Stephan Remdt (Therapeut in der Suchtklinik Altdorf) ein Referent der inhaltlich und persönlich begeistert (auf dem Gruppenfoto vorne kniend)
Nun zum Inhalt des Seminars:
Der Titel des Seminars hätte auch heißen können “NEIN sagen – Ein Ja zu mir selbst”
Klarheit, Selbstachtung und Beziehungskompetenz im Fokus eines intensiven Selbsterfahrungsseminars
Wie gelingt es, in einer Welt voller Erwartungen, Verpflichtungen und Rollenbildern kraftvoll NEIN zu sagen – und dabei authentisch, wertschätzend und mit sich selbst verbunden zu bleiben? Genau dieser Frage widmete sich unser vielschichtiges Seminar, das sich mit psychologischen, kommunikativen und gesellschaftlichen Aspekten des Neinsagens beschäftigte. Die Teilnehmenden erhielten Impulse zur Reflexion, praktische Werkzeuge sowie Raum für persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema Abgrenzung.
NEIN sagen – kein Egoismus, sondern Selbstfürsorge
Zentrale Botschaft: Abgrenzung ist kein Zeichen von Egoismus, sondern Ausdruck von emotionaler Reife und Selbstachtung. Das Seminar setzte sich mit der weit verbreiteten Angst auseinander, durch ein NEIN unhöflich, hart oder egozentrisch zu wirken. Stattdessen wurde vermittelt, wie klare Grenzen Beziehungen stärken und innere Freiheit ermöglichen.
Alte Muster, neue Entscheidungen
Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt lag auf dem Einfluss des inneren Kindes und tiefsitzender Glaubenssätze wie „Ich darf niemanden enttäuschen“ oder „Meine Bedürfnisse sind nicht wichtig“. Diese Prägungen führen oft dazu, dass Menschen ein JA aus Pflicht oder Angst sagen – und sich dabei selbst übergehen. Übungen zur Selbstwahrnehmung, Innere-Kind-Arbeit und Achtsamkeit halfen den Teilnehmenden, neue Handlungsspielräume zu entdecken.
Körpersprache, Klarheit und Manipulation
Besonders aufschlussreich war die Auseinandersetzung mit nonverbalen Signalen: Wie oft sagt unser Körper ein JA, obwohl wir innerlich NEIN fühlen? Das Seminar sensibilisierte für solche Widersprüche und vermittelte Wege, Körpersprache und innere Haltung in Einklang zu bringen. Auch der Umgang mit emotionaler Erpressung – etwa durch Schuldgefühle oder subtile Drohungen – wurde thematisiert. Hier ging es darum, sich aus manipulativen Dynamiken zu befreien und selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen.
Gesellschaftlicher Kontext und kulturelle Prägung
Neben der individuellen Ebene wurde auch das Neinsagen im gesellschaftlichen Rahmen betrachtet: Als Ausdruck von Protest, Zivilcourage und sozialem Wandel. Ein bewusstes NEIN kann nicht nur persönliche Grenzen wahren, sondern auch gesellschaftliche Veränderungen anstoßen.
JA zu sich selbst – das kraftvolle Potenzial des Neinsagens
Das Seminar machte deutlich: Ein NEIN ist in Wahrheit oft ein JA – zu sich selbst, zu den eigenen Werten und zum Leben in Balance. In diesem Sinne wurde NEIN sagen nicht als Trennungsakt, sondern als Selbstverbindung verstanden. Zahlreiche praktische Übungen (der Bedürfniskompass oder Körperwahrnehmungstraining) luden dazu ein, das Gelernte in den Alltag zu übertragen.
Fazit
Das Seminar war ein intensiver Lernraum für Selbstfürsorge, authentische Kommunikation und innereKlarheit. Die Teilnehmenden wurden ermutigt, ihre Grenzen zu erkennen, ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen und aus einem Gefühl von Selbstachtung heraus NEIN zu sagen – liebevoll, klar und mitfühlend. Denn ein echtes NEIN ist immer auch ein JA zu sich selbst.
von Friedrich Meyer
