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Zwischen Aufklärung und Begegnung - der Kreuzbund DV Bamberg auf der Gesundheitsmesse Bamberg 2026
von Hanna Pfitzinger, Nürnberg 1
Am 21. und 22. März 2026 war der Kreuzbund DV Bamberg erneut als Aussteller auf der Gesundheitsmesse in der Brose Arena vertreten. Unter dem Leitthema „Gesundheit“ bot sich auch in diesem Jahr eine wertvolle Gelegenheit, die Arbeit der Selbsthilfe sichtbar zu machen und mit Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch zu kommen.
Wie bereits im Vorjahr war der Stand umfassend vorbereitet: Neben bewährten Informationsmaterialien rund um Alkoholabhängigkeit und Selbsthilfeangebote brachte Wolfgang eine Vielzahl an ergänzenden Aufklärungsmaterialien mit. Dazu gehörten unter anderem ein Drogen-ABC mit Informationen zu Wirkungen und Nebenwirkungen verschiedener Substanzen, Informationsangebote für Eltern zum Thema Cannabiskonsum bei Jugendlichen sowie kleine Rezeptbücher für alkoholfreie Alternativen.
Ein besonderes Highlight waren die sogenannten Rauschbrillen, mit denen unterschiedliche Promillewerte simuliert werden konnten. Viele Besucherinnen und Besucher nutzten die Möglichkeit, diese selbst auszuprobieren. Dabei wurde eindrücklich erlebbar, wie stark Wahrnehmung und Koordination bereits bei erhöhtem Alkoholpegel eingeschränkt sind. Diese Erfahrung diente häufig als Einstieg in weiterführende Gespräche – insbesondere mit Menschen, die den Stand sonst möglicherweise nicht aktiv aufgesucht hätten.
Gerade diese niedrigschwelligen Zugänge erwiesen sich als besonders wertvoll. In zahlreichen Gesprächen wurde einmal mehr deutlich, wie präsent das Thema Sucht im Alltag vieler Menschen ist: Viele berichteten von Angehörigen, Freundinnen und Freunden oder Kolleginnen und Kollegen mit problematischem Konsumverhalten. Häufig ging es um Situationen, in denen Betroffene keine Hilfe annehmen möchten, nach einer Therapie Rückfälle erlebt haben oder sich trotz Abstinenz mit ihrer Situation allein fühlen. Auch Angehörige schilderten Unsicherheiten im Umgang mit der Erkrankung und suchten nach Orientierung und Unterstützung.
Besonders eindrücklich war dabei, wie groß der Bedarf an Aufklärung über die Vielschichtigkeit von Sucht ist. Sucht wurde in Gesprächen noch häufig ausschließlich mit körperlicher Abhängigkeit gleichgesetzt, während die psychischen Komponenten und die langfristigen Verhaltensmuster weniger präsent sind. Hier konnte der Kreuzbund wichtige Impulse setzen und ein differenzierteres Verständnis vermitteln.
Eine besondere Dynamik ergab sich durch die unmittelbare Standnachbarschaft zu einem Anbieter von Hanfprodukten. Dies führte zu mehreren intensiven Diskussionen über das Suchtpotenzial entsprechender Produkte. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich die Perspektiven auf das Thema sind. Aus Sicht der Selbsthilfe ist klar: Sucht beschränkt sich nicht auf körperliche Abhängigkeit. Gerade für Menschen mit Suchterfahrung oder entsprechender Vulnerabilität können auch vermeintlich „harmlose“ Substanzen ein erhebliches Risiko darstellen – insbesondere aufgrund ihrer psychischen Wirkung und möglicher Rückfalltrigger. Diese Position wurde im Austausch klar vertreten und bot zugleich Anlass, Besucherinnen und Besucher für dieses Thema zu sensibilisieren.
Der Messeauftritt zeigte insgesamt erneut, wie wichtig Sichtbarkeit und direkte Ansprache sind. Viele Menschen wussten nicht, dass sie auch als Angehörige jederzeit an den Gruppenangeboten teilnehmen können oder dass ein unverbindliches „einfach mal Vorbeikommen“ möglich ist. Genau hier setzt die Arbeit des Kreuzbundes an: einen geschützten Raum zu bieten, Orientierung zu geben und Wege aus der Isolation aufzuzeigen.
Die beiden Messetage waren geprägt von Offenheit, ehrlichem Interesse und zahlreichen intensiven Gesprächen. Sie haben einmal mehr bestätigt, wie groß der Bedarf an Austausch, Aufklärung und Unterstützung ist – und wie wichtig es ist, als Selbsthilfegruppe dort präsent zu sein, wo Menschen erreicht werden können.
Ein besonderer Dank gilt Sabine, Brigitte, Bernd und natürlich Wolfgang, die mit großem Engagement und viel persönlichem Einsatz an beiden Tagen für die Besucherinnen und Besucher am Stand da waren, Gespräche geführt und Aufklärung geleistet haben. Es war spürbar, wie viel Erfahrung, Offenheit und Ernsthaftigkeit sie in die Begegnungen eingebracht haben. Auch ich habe die Zeit am Stand als sehr bereichernd erlebt und konnte viele wertvolle Eindrücke aus den Gesprächen mitnehmen.